Vernetzungsarbeit

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren! Leider entpuppt es sich als extrem schwer die Reise detailliert von hier aus zu planen. Es ist kaum möglich klare, gesicherte Informationen über die Situation vor Ort zu bekommen. Die deutschen Medien berichten nur sehr wenig und die Situation ändert sich fast täglich. Vor wenigen Tagen erst wurde ein großes Camp geräumt, Zelte wurde zerstört und die Menschen wurden gewaltsam vertrieben und leben nun verstreut in kleineren Squats. Durch diese Aktion wird es den wenigen Helfer*innen die sich derzeit in Bosnien engagieren nochmals erschwert Essen, warme Kleidung etc. auszuteilen und Erste Hilfe zu leisten.

Dennoch sind wir zuversichtlich. Es ist schön zu hören, dass auch andere Menschen aktiv sind und sich ebenfalls auf diesen Weg gemacht haben. Unser Netzwerk wächst stetig und wir hoffen bald etwas mehr Klarheit zu haben.

Wer sich über weitere NGOs und Gruppen informieren möchte, kann sich ja mal die folgenden Links anschauen:

 

Veröffentlicht unter 2020

Sachspendenaufruf

Vielen Dank für die bisherige Unterstützung und Geldspenden. Das Team aus Johanna und Reinhard ist nun zu einer Gruppe von 5 Menschen gewachsen, die sich Anfang Januar auf den Weg nach Bosnien machen.

>> Jetzt brauchen wir euch, um uns vor Ort sinnvoll einbringen zu können. <<

Ab sofort sammeln wir auch Sachspenden. Da wir aufgrund der Zollbestimmungen nicht unbegrenzt Sachspenden mitnehmen können, ist uns sehr daran gelegen, auf die Situation abgestimmte Sachen mitzubringen. Das heißt, wir freuen uns vor allem über wirklich winterfeste Sachen.

Folgende Sachspenden werden benötigt:

  • Decken, Rettungsdecken, Schlafsäcke, Isomatten
  • (gebrauchte) Smartphones, Powerbanks, Taschenlampen (LED)
  • Rucksäcke
  • Winterkleidung  insbes. kl. Männerklamotten (Gr. S/M) und Schuhe (Gr. 39-45)
  • mittel bis große Kochtöpfe
  • Verbandsmaterial, schmerzlindernde Mittel (Paracetamol, Voltaren…)

Diese Sachspenden können in Dortmund, Köln und Solingen bis (bestenfalls) 20.12. abgegeben werden. Meldet euch dazu unter: info@grenzenlos-people-in-motion.eu

Wir freuen uns natürlich weiterhin über finanzielle Unterstützung…
… um vor Ort das kaufen zu können, was für die Menschen auf ihrem Weg notwendig ist und um die Menschen auf ihrer Flucht mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen.  Auch über Beiträge zu unseren Fahrt- und Unterkunftskosten sind wir dankbar. (Diese Spende ist steuerlich absetzbar. Bei Beträgen bis 200 € erkennt das Finanzamt den Kontoauszug als Spendenbeleg an. Für höhere Beträge erstellen wir gerne eine Spendenquittung. In dem Fall schreibt uns bitte den vollständigen Namen und die vollständige Adresse der/des Spenderin/Spenders)

Rede darüber…
… und leite diese Mail weiter. Je mehr Menschen von uns wissen und uns unterstützen, desto erfolgreicher können wir aktiv sein. Während unserer Reise kannst Du unsere Arbeit über unseren Blog https://www.grenzenlos-people-in-motion.eu/ verfolgen

Solidarische Grüße
Grenzenlos – People in Motion e.V.

Triodos Bank
IBAN: DE94 5003 1000 1035 9970 04
BIC: TRODDEF1
Stichwort: Bosnien

Veröffentlicht unter 2020

Vorbereitungen für die Fahrt nach Bosnien (2020)

Aktuell befinden wir uns noch in der Recherchearbeit und Vernetzungsphase mit Non-Profit Organisationen und Einzelpersonen vor Ort. Der Problemstand ist momentan die Zollabwicklung, weshalb wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht zu Sachspenden aufrufen können.

Veröffentlicht unter 2020

Warten auf ein Fazit?

Vielleicht wartet ihr auf ein Fazit von uns. Vielleicht auch nicht.

Ich (Katja) glaube nicht, dass es möglich ist, ein Fazit für unser kleines Team gemeinsam zu ziehen. Zu unterschiedich sind wir drei in unserer Wahrnehmung, unseren Bewertungen, unserem Weiterdenken.

Für mich war es eine sehr anstrengende Zeit. Die besonders belastende Situation, der die Flüchtenden schon im ganz normalen Zustand ausgesetzt sind, mit provisorischer Unterkunft, Angst vor Entdeckung, unklarer Versorgungssituation… wurde hier noch einmal verschlimmert durch die Polizeigewalt hinter der Schengen-Grenze.

Für mich als gewaltfreie Aktivistin gab es immer wieder Seifenblasen die aufpoppten, wie u.a. durch zahlenmässig großen Einsatz von ausländischen Aktivist_innen die Situation vor Ort positiv verändert werden könnte. Dann aber zu merken, dass mir dazu Kraft fehlt, das alles anzustoßen (aber gleichzeitig die Ideen im Kopf zu haben, was deeskalierend und stärkend getan werden könnte) fällt mir sehr schwer.

Die für Flüchtende existenziell bedrohliche Situation hat sich auch immer wieder auf unser Team ausgewirkt.  Häufig hat die äußere Belastungssituation zu Konflikten und schlechter Stimmung gesorgt, ohne dass wir uns dem richtig stellen konnten.

Trotzdem bin ich dankbar für die Zeit in dieser Ausnahmesituation. Aber ich bin nicht mehr die Selbe wie vorher.

Die schönsten Momente waren die, in denen wir gemeinsam gehandelt haben. Dann waren wir ein gutes Team und konnten unsere Energie für Flüchtende produktiv einsetzen.

Habt Dank für euere guten Gedanken, mails und finanzielle Unterstützung!

Veröffentlicht unter 2017

Abschied während Polizeieinsatzes

Gerade als wir Subotica verlassen haben, erreicht uns eine Hilferuf von Fresh Response. Es hat mehrere Polizeieinsätze in mehreren Camps gegeben. Die Polizei ist mit 30 – 40 Kräften und Hunden im Morgengrauen gekommen. 114 Menschen sind in Polizeibussen in ein Lager bei Presevo  abtransportiert worden. Ein zweiter Überfall ereignet sich ein paar Stunden später. Die Polizei reißt provisorische Behausungen und Zelte ein, vertreibt die Bewohner. Wir werden gefragt, ob wir zum Ort des Geschehen kommen könnten. Mittlerweile sind wir anerkannt für unsere Erfahrung mit Polizei in schwierigen Momenten und für unsere Fähigkeiten, in schwierigen Situationen gute Lösungen entwickeln zu können.

Leider sind wir schon 90 Minuten entfernt von Subotica und können deshalb nicht mehr helfen. Deutlich wird jedoch, dass es eigentlich der falsche Moment zur Heimreise ist und wir noch gebraucht werden.

10 Minuten  vor der serbisch-kroatischen Grenze melden wir uns endgültig von der Kommunikation ab.

Veröffentlicht unter 2017

traurig

Angespannt fahren wir zu unserem letzten Besuch zu der Gruppe, die vor ein paar Tagen so heftige Polizeiübergriffe in Ungarn erlitten hat, dass wir zwei Menschen ins Krankenhaus begleiten mussten.

Als wir den Treffpunkt erreichen ist alles still. Wir sind mal wieder pünktlich, um die Gruppe nicht warten zu lassen. Aber es reagiert niemand auf das Autogeräusch. Normalerweise brauchten wir nicht lange warten, weil wir schon erwartet wurden. Heute tut sich gar nichts. Wir lauschen in die Stille. Gibt es Hundegebell, Lautsprecherrauschen, Fahrgeräusche von Jeeps…? Zum Glück ist nichts zu hören. Nach 15 Minuten fahren wir weiter und erreichen einen früheren Treffpunkt, an dem noch die provisorischen Zelte stehen. Auch hier ist niemand. Langsam machen wir uns Sorgen und entschließen uns, zügig die Lebensmittel für die Gruppe auszuladen und dann schnell wieder zu fahren, damit wir die Flüchtenden nicht verraten, falls sie sich an diesem Mittag vor der serbischen Polizei verstecken müssen. Erneut schreiben wir eine WhatsApp Nachricht- und endlich ein „wir sind in 5 Minuten da“. Uns fällt ein schwerer Stein vom Herzen und wir atmen tief durch.

Heute begleiten uns zwei Volunteers der niederländischen Volksküche Aid Delivery Mission (ADM). Wir kennen Teile dieser Küche schon von Rampenplan, einer Küche, die immer für X-tausendmal quer bei den Castor-Transporten im Wendland gekocht hat und der wir uns seit Jahrzehnten verbunden fühlen. Freund_innen sozusagen, die nach einem mehrmonatigen Einsatz in Idomeni in 2016 jetzt einen neuen mehrmonatigen Einsatz in Subotica begonnen haben. Gestern hat die bunte Gruppe zum ersten Mal für mehrere hundert Menschen gekocht und warmes Essen verteilt.

Da wir morgen abreisen werden, haben wir versucht, Nachfolger_innen für unsere Arbeit zu suchen. ADM wird noch heute entscheiden, in wie weit sie zumindest diese eine Gruppe regelmässig mit Wasser, Lebensmitteln und nach Polizeieinsätzen mit neuen Schuhen und Kleidung versorgen können.

Heute ist unser letzter Besuch bei den Flüchtenden. Endlich hören wir sie kommen und sind erleichert, dass es ihnen merklich besser geht, als bei unserem letzten Besuch vor zwei Tagen. Eigentlich ist die Gruppe etwas in Sorge, weil ein Polizeifahrzeug kurz vorher gesichtet wurde. Wir machen schnell und sind kurz davor, uns zu verabschieden, als die Gruppe sich doch entscheidet, dass ein Gespräch nicht zu riskant ist. Wir setzen uns alle im Kreis. Einige können sich auf Grund der gezielten Schläge auf die Kniescheiben noch nicht hinsetzen. Für sie wird aus Steinen schnell eine niedrige Sitzgelegenheit improvisiert. Themen heute sind insbesondere die Verletzungen und deren Heilung, aber auch die geglückte Wiederverwendung von kleinen Wärmekissen, die durch Knicken einer kleinen Metallplatte für ca. 30 Minuten Wärme entwickeln, dann erstarren und durch Aufkochen wieder benutzbar gemacht werden. Die Flüchtenden erzählen, dass es gelingt, die Wärmekissen durch Erhitzen im Teewasser wieder neu aktivieren zu können. Wir sind froh, dass das klappt. Die zwei neuen Voluntäre stellen sich vor und es werden Telefonnummern ausgetauscht. Langsam wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Den 6 (von 16) Männern sieht mensch die Traurigkeit an. Sie wünschen sich ein gemeinsames Foto (das wir im Moment hier nicht veröffentlichen können). Bevor wir uns für ein Gruppenfoto aufstellen, singt Katja noch ein Lied:

Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen,
mögest du den Wind im Rücken haben.
Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Möge warm die Sonne dir dein Gesicht bescheinen,
möge sie dir Glanz und Wärme geben.
Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Und bis wir uns wiedersehen, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Möge sanfter Regen dir deine Felder tränken,
möge mildes Wetter dich begleiten.
Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Und bis wir uns wiedersehen, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Mögen Gottes Engel dich überall behüten,
mögen sie dich auf den Händen tragen.
Und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Und bis wir uns wiedersehen, und bis wir uns wiedersehn,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Leider ist mir, Katja, der meiste Text entfallen. Aber die tiefe Botschaft dieses Irischen Segens erschließt sich vielleicht auch ohne Worte, nur mit dem Refrain und den Tönen. Auch wenn wir drei (Falko, Matthias und ich) vermutlich keine Gemeinsamkeit in unserer Spiritualität haben, enggenommen das Lied einen christlichen Hintergrund hat (der auch nicht meiner (Katjas) ist), so gibt es doch eine grundlegende Verbindung alles Menschlichen und Lebendigen auf Erden, dass geschützt und bewahrt werden muß.

Während ich dies schreibe, fließen die Tränen. Und eine unbändige Wut kommt auf. Es liegt so viel Ungerechtigkeit in dieser Situation: Wir mit weißer Hautfarbe, einem deutschen Pass, einem Auto am Rande des Treffpunkts verabschieden uns von Menschen mit dunklerer Hautfarbe, ohne den richtigen Pass. Sie haben keine Wahl. Sie müssen hierbleiben und immer wieder neu ihre körperliche und seelische Integrität aufs Spiel setzen, wenn sie weiter gehen auf ihrem Weg. Wir haben die Wahl hierzubleiben oder zu gehen. Und wir entscheiden uns zu gehen. Zurück in unser sicheres Leben, ohne Angst vor Kälte, Polizeigewalt. Es ist kaum auszuhalten und es zerreißt mich.

Veröffentlicht unter 2017

Unterstützer_in für Duschprojekt dringend gesucht

Für das Duschprojekt, das wir weiter unten im blog beschrieben haben, wird hier in Subotica einE Unterstützer_in gesucht. Möglichst ab sofort bis zum 31.3.2017.

Diese Arbeit wird zusammen mit einem niederländischen Volunteer geleistet, der multilingual (niederländisch, spanisch, deutsch, englisch….) kommuniziert.

Es macht viel Freude, die Duschen aufzubauen, das Wasser zu erwärmen, die frische Unterwäsche bereitzulegen und dann die Flüchtenden zu erleben, wieviel es ihnen bedeutet, endlich wieder warmes Wasser auf der Haut zu spüren.

Wer Interesse hat, möge sich bitte möglichst schnell bei uns auf dem Handy unter 0049 170 8042056 melden.

Veröffentlicht unter 2017

Push-backs, Tore und mögliche Nachfolger

Unsere Zeit hier nähert sich langsam dem Ende.

Gerade kommen wir von der Versorgung einer Gruppe zurück, die mit 20 Leuten in einem Nachbardorf von Subotica gestrandet ist und vieles in Ungarn verloren hat. Vieles können wir organisieren. Nur Decken sind ein Problem. Wir wissen aber, dass (wahrscheinlich) am Wochenende neue Decken kommen und nehmen uns vor, den Decken-Bedarf an bleibende Volunteers zu übergeben.

Wir suchen nach Nachfolgern, die unsere Arbeit in den Wäldern der Vojvodina fortführen. Heute Abend treffen wir uns mit einer niederländischen Gruppe, die grundsätzliches Interesse formuliert hat.

***

Als wir vor ein paar Tagen immer wieder an der Grenze unterwegs waren, haben wir tatsächlich die Tore im Grenzzaun gefunden, durch die die sogenannten Push-backs, also die Ausweisung und Abschiebung der Flüchtenden stattfinden. Eigentlich sind die Tore wahrscheinlich dazu gedacht, zu Reparaturen am NATO-Draht vor dem Grenzzaun zu gelangen.

An den Toren entdecken wir hängende, im Wind flatternde DIN-A 4 Zettel. Am zweiten Tor liegt auf dem Boden ein in Urdu geschriebener feuchter weiterer Zettel. Wir stecken ihn ein.

  

Erst später finden wir raus, was für einen spektakulären Fund wir da gemacht haben: Die Geflüchteten berichteten immer wieder von einem Prozedere am Grenzzaun, bevor sie durch ein Tor abgeschoben wurden: Sie mußten laut von einem Zettel ablesen, dass sie Ungarn illegal betreten haben und gut behandelt worden sein. Sie hätten auch keinerlei Gewalt oder Mißhandlung erlebt. Wer nicht sofort ablesen wollte, wurde solange mit Tränengas direkt in die Augen bearbeitet bis er ihn ablas. Das Ablesen des Zettels haben die ungarischen Beamten dann mit Videoaufnahmen dokumentiert.

Bisher gab es keine Beweisstücke dafür. Jetzt hatten wir eine Dokument gefunden, dass vielleicht in möglichen Prozessen oder auch bei der Pressearbeit der Gruppen hier vor Ort eingesetzt werden könnte.

Mittlerweile wird an vielen Stellen, die wir direkt begutachtet haben, ein zweiter Grenzzaun durch Gefängnisinsassen und Grenzbeamte hochgezogen. Zwischen den beiden Zäunen befindet sich ein schmaler befahrbarer Kontrollweg auf dem Tag und Nacht die Geländewagen der Grenzer patroullieren.

Wie wir uns bei diesen Grenzinspektionen gefühlt haben, lässt sich nicht so einfach beschreiben. Stundenlang haben wir über Wege gebrütet, die es uns ermöglichen würden, möglichst lange unbemerkt zu bleiben. Zu unklar ist uns die Situation mit der serbischen Border-Control, zu groß die Angst vor einer direkten Ausweisung aus Serbien. Wenige Volunteers gehen so stark in die räumliche Konfrontation mit dieser Grenzsituation wie wir. Wir können unsere ganze Erfahrung aus dem Castor-Widerstand und dem Nicht-Zurückweichen einbringen. Wir bleiben auch dann nicht stehen, wenn von der ungarischen Seite ziemlich deutlich zum Stehenbleiben aufgefordert wird. Mit einem drohenden Unterton, der deutlich macht, hier geht es nicht mehr um Spaß (gehts ja sowieso nicht). Für uns aber ist klar, würde eine Schusswaffe gezogen, blieben wir stehen. Auch wenn sich plötzlich das Tor für die Grenzpolizei öffnet (zum Glück passiert das nicht) und die Grenzer in den ungarischen Korridor vor dem martialischen Grenzzaun kommen würden. Auch hier ist die Grenzpolizei erstaunt (so wie anderwo), dass wir dem Befehl nicht Folge leisten, sondern ganz in Ruhe aber zielstrebig unsere Fotos von den Toren machen.

Nach solchen Einsätzen sind wir hinterher ziemlich erschöpft. Der Körper schmerzt vor Anstrengung, der Mund ist trocken wegen des hohen Adrenalinausstoßes. Dabei taucht dann natürlich immer wieder der Gedanke an die Flüchtenden auf, die diese Situation mehrmals pro Woche erleben, wenn sie versuchen die Grenze zu überwinden.

Übrigens, alle Menschen die wir in den vier Wochen erlebt haben, sind frei von Aggression und Haß. Sie sind zutiefst verletzt, gedemütigt. Einige dabei von einer ruhigen Fröhlichkeit. Andere so stark traumatisiert, dass ihr Gesicht keine Regung mehr zeigt.

Veröffentlicht unter 2017

Übergriffe- was fangen wir damit an?

Keine Einträge bedeuten nicht, dass nichts passiert.

Einige Dinge haben wir hier rausgefunden, die wir noch nicht veröffentlichen können.

Zwischen unseren Versorgungsfahrten für die Gruppen im Wald und den langen aufwändigen Einkäufen davor, der Koordination mit Fresh Response und anderen Aufgaben recherchieren wir, in wie weit die Folter an der/den ungarische(n) Grenze(n) von der kritischen Öffentlichkeit in Ungarn und anderswo bereits wahrgenommen und angeprangert wird.

Ein ganz aktueller Bericht des Hungarian Helsinki Committee von Anfang des Jahres prangert die Behandlung der Geflüchtenden und die Verweigerung von Unterstützung und Zugang zum Asylsystem an.

Darin wird resümiert:
„4. Recommendations
• The law legalizing push-backs, breaching Hungary’s legal obligations under international and European Union law, should be revoked.

• Police measures taken at the border should always be documented and
appropriate safeguards should be in place to guarantee the respect for
human rights. Subjects of police measures should be informed of their rights to complain and there should be an adequate complaint mechanism in place.

• Given Frontex’s role at the Hungarian-Serbian border, Frontex should make its findings public and should ensure that FRONTEX-operations play an active role in preventing and investigating the widespread violence at the Serbian-Hungarian border.

• Ensuring access to territory by expanding the capacity and opening times of the transit zones could divert irregular migration towards regular channels.“

Wir halten Frontex nicht für die geeignete Institution, um Übergriffe und Folter zu veröffentlichen oder auch solche inhumanen Maßnahmen aufzuklären.

Wenn wir groß träumen, denken wir an zivile Beobachter_innen, die die ungarische Polizei, ungarische Soldaten, private Wachdienste, border hunter (so werden gerade frisch ausgebildete Kräfte, die nicht der Polizei und dem Militär angehören, genannt) oder auch Frontex-Einheiten begleiten. Wenn es diese internationalen Beobachter_innen u.a. bei Wahlen gibt, warum nicht auch hier?

Unsere Berichte, zusammen mit anderen Artikel (hier ein ganz neuer Artikel vom 1.3.2017) haben einiges an Wirbel verursacht. Wir überlegen immer wieder neu, wie eine politische Arbeit gegen die menschenverachtenden Vorgänge an der Grenze aussehen könnten.

Wir halten möglichst viele Briefe, Beschwerden, oder auch Kontakt zu ungarischen Gruppen für einen wichtigen Hebel im Kampf gegen die Folter. Persönliche Besuche in der ungarischen Botschaft in Berlin oder bei den Konsulaten in Bremerhaven, Dresden, Erfurt, Essen, Hamburg, München, Nürnberg, Schwerin oder Stuttgart. Zeigt, dass wir nicht wegschauen und dass wir zumindest in diesem Fall wissen, dass die Ungarn vielleicht nur Erfüllungsgehilfen der Nord- und Mitteleuropäischen reichen Nationen sind, aber eine Poltik fahren, die nicht hinnehmbar ist.

Wer Kontakte nach Ungarn hat, möge sie bitte dringend nutzen!

Auch die politische Ebene in der EU, über Abgeordnete, parlamentarische Anfragen, Besuche von Abgeordneten an der Grenze könnten ein wichtiges Element sein.

Wir denken auch über Aktionen Zivilen Ungehorsams nach: Wie wäre es, es würde eine große öffentliche Unterschriftenkampagne gegen die Folter an Europas Grenzen geben und an mehreren Tagen würde diese Protestkampagne durch Direkte Aktionen an der ungarischen Grenze begleitet?
Vielleicht schaffen wir es nach unserer Rückkehr weiter daran rumzuspinnen – gerne auch mit euch zusammen.

Veröffentlicht unter 2017

Basisversorgung

Seit einigen Tagen haben wir Kontakt zu 3 Gruppen, die außerhalb von Subotica an unterschiedlichen Orten lagern. Es sind Orte, von denen sie aufbrechen, um einen heimlichen Grenzübertritt zu versuchen oder Orte, wo sie nach einem Push-back versuchen, ein wenig Schlaf zu bekommen. Diese Orte wechseln ständig, die Anzahl der Menschen dort schwankt jeden Tag zwischen 5 und 32. Auch die Treffpunkte wechseln immer wieder.

Wenn wir eine Nachricht erhalten, besorgen wir Lebensmitteln, insbesondere Gemüse, Kartoffeln, Reis und Brot. Immer dabei ist Wasser für mindestens 2 Tage zum Kochen und Trinken. Zusätzlich Klopapier, Feuchttücher. Selten Eier und Milch, manchmal Kaffeepulver und Teebeutel. Manchmal ein Päckchen Tabak. Dann je nach Bedarf Schuhe, Jacken, Hosen, Strümpfe.

Im Moment sieht unser Tag so aus:

Wir stehen um 3 Uhr morgens auf und fahren in Grenznähe, um zurückgepushte Menschen in Empfang zu nehmen und zu schauen, was sie brauchen: Nähe, Trinken, Wärme

Ab 7/8 Uhr gehen wir in der Umgebung einkaufen und liefern dann das Essen an einen verabredeten Ort.

Um 9 Uhr ein kleines Frühstück in unserer Unterkunft. Dann ein paar Stunden Schlaf. Im Laufe des Tages meldet sich dann eine andere Gruppe bei uns und nennt ihren Bedarf. Wir gehen einkaufen. Suchen günstige Kleidung, packen das Auto neu und steuern einen neuen Treffpunkt an. Mittlerweile hat die Abenddämmerung eingesetzt. Manchmal fahren wir ohne Scheinwerfer, warten irgendwo nach Kilometern auf Sandpisten. Dann eine schnelle leise Übergabe und schon verabschieden wir uns mit einem kurzen „Take care and good luck“.

Bisher konnte Fresh Response diese Arbeit kaum leisten, weil die Vesorgung der Geflüchteten im Stadtgebiet von Subotica alle ihre Kräfte vereinnahmte. Insofern sind die Volunteers sehr froh, dass jetzt durch unsere Arbeit mehr Menschen mit dem lebensnotwendigen versorgt werden, – insbesondere die, durch die besondere Situation des völlig isoliert im Geheimen lebens, besonders vulnerable sind (Bezeichnung für Menschen mit einer erhöhten Verletzlichkeit). Das entlastet die Helfer_innen vor Ort.

Immer wieder merken wir, wie hilfreich es ist, dass wir dank der Hilfe vieler Unterstützer_innen in Deutschland, frei handeln und spontan auf existenzielle Bedürfnisse der Flüchtenden eingehen können. Das gibt unserer Arbeit hier eine gewisse zumindest finanzielle Leichtigkeit und wir würden gerne das erschöpfte, leise „Thank you“ unserer Kontaktmenschen an euch weitergeben.

 

Veröffentlicht unter 2017