Das System zeigt eine andere Seite

Wir treffen heute noch einmal kurz einen Vater aus dem Haus mit den drei Familien. Er hatte uns das Foto eines Schreibens geschickt, mit der Bitte, es ihm auszudrucken. Er erzählt uns erfreut eine unglaubliche Geschichte.

Ein Kind einer der beiden anderen Familien hatte einen Unfall. Wir verstehen nicht ganz, ob es ein Autounfall oder ein anderer Unfall war. Egal. Klar ist nur, der Junge hatte ein ganz große, offene Wunde am Oberarm. Sein Vater war bei ihm. Dann auch die Polizei. Der Polizist war wohl auch entsetzt, ob der Wunde und ruft den Krankenwagen. Der Krankenwagen kommt und nimmt den Jungen, samt Vater auf. Zusätzlich eine Mutter plus drei Kinder. Alle sechs rasen Richtung Krankenhaus – nach Kroatien. Dort stellt die Mutter mit ihren drei Kindern einen Asylantrag – das entsprechende Papier sehen wir als Foto. Der Vater mit dem verletzten Kind wird wohl auch einen Asylantrag gestellt haben.

Warum erzählt uns der Vater vor Ort diese Geschichte so begeistert?

Es war seine Frau mit seinen Kindern, die zu dem anderen Vater mit dessenverletzten Sohn in den Krankenwagen gestiegen sind. Die Ambulanzfahrer*innen haben wahrscheinlich nur gezählt: ein Mann, eine Frau, vier Kinder. Passt, eine Familie.

Der Vater (mit dem verletzten Kind) in Kroatien ist derjenige, den ich in einem vorherigen Blog dahingehend beschrieben hatte, dass er mit einem Teil der Kinder alleine loswolle, um seine Frau und die restlichen Kinder anschließend nachzuholen. Anders als wohl geplant, hat er es nun geschafft.

Der Vater vor Ort ist glücklich, dass es seine Familie geschafft hat. Und er bekommt von uns den Ausdruck des Asylersuchens seiner Frau. Das oben erwähnte Schreiben. Damit hat er vielleicht Glück, wenn kroatische Grenzer*innen ihn aufgreifen und kann vielleicht auf familiäre Zusammenführung in Kroatien hoffen.

Wir freuen uns mit ihm. Und wir sind glücklich zu erleben, dass Krankenwagen auch für People on the Move gerufen werden. Und hoffentlich bleibt beim Jungen nur eine Narbe, auf die er später augenzwinkernd zeigen und eine Geschichte erzählen kann.

Später erfahren wir von einer anderen Familie, dass alle diejenigen, die eine Chance auf ein Asylverfahren bekommen und nicht gleich gepushtbackt werden, erst einmal für 14 Tage in Quarantäne nach Zagreb kommen.

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