Abstand und neue Pläne

Wir nutzen die Zwischenzeit im Süden Deutschlands um unsere Erfahrungen sacken zu lassen und unseren Einsatz für uns auszuwerten. Auch hier sind wir wieder in einer Grenzregion unterwegs, die tschechische grüne Grenze ist in Sichtweite.

Auf einer Wanderung begegnet uns der „Leuchtturm der Menschlichkeit“ mitten im Wald. In mühevoller Schwerstarbeit wurden ca. 10 Tonnen Steine vermauert, die aus den verschiedensten Gegenden und Ländern der Welt stammen. In westlicher Richtung wurden 4 handgegossene Glaselemente eingesetzt, die mittels Solartechnik nachts leuchten. So senden, neben einer Weltscheibe – ein islamischer Halbmond, ein christliches Kreuz und ein Davidstern – Lichtsignale in die Welt, um die Menschen zu mehr Frieden und Verständnis untereinander aufzurufen.

Leuchtturm der Menschlichkeit

Insbesondere die Weltscheibe ist das Symbol, dass vielleicht am Besten beschreibt, warum wir diese Zeit in Bosnien verbracht haben: Wir leben gemeinsam auf dieser Erde und die Augen zu verschließen macht aus Gründen der eigenen Psychohygiene Sinn. Genauso kann es aber auch Sinn machen, die Augen zu öffnen und das Leid anderer Menschen anzusehen, es wahrzunehmen, sich davon berühren zu lassen und zumindest kleinste Zeichen der Solidarität zu geben.

Wir hoffen, dass es auf dem langen Weg der People on the move, bei manchen schon fünf Jahre, immer wieder Menschen gibt, die Kraft spenden, die tatkräftig unterstützen, die den Weg für ein paar Tage leichter machen. Und besonders hoffen wir, dass die von uns unterstützten Menschen (und naütrlich alle anderen auch) in ihren Zielländern solidarische Leute finden, die Dublin II (Abschiebung in das erste Land, in dem jemensch registriert wurde) erklären und gemeinsam Lösungen für ein Bleiberecht finden.

Unser Einsatz war nur möglich dank der Unterstützung durch euch. Ohne euer Geld oder auch Sachspenden wäre diese Fahrt nicht zustande gekommen. Wir möchten uns dafür ganz herzlich bedanken und wissen das sehr zu schätzen. Es ist schon toll, wenn innerhalb von ein paar Wochen mehrere tausend Euro zusammen kommen und ihr damit signalisiert, dass auch ihr mit uns die Situation an den EU-Außengrenzen für unerträglich haltet.

Bosnischer Blumenstrauß für euch (eigentlich war er Teil unserer Tarnung als Tourist*innen bei der Erkundung des Grenzstreifens (Bosnien/Kroatien) um PushBack-Spots zu suchen)

Im Moment schweben uns ein paar Nachfolgeideen durch den Kopf, einige sehr träumerisch, andere eher realistisch. Mehr davon werden wir in unserem Newsletter schreiben.

Wenn ihr immer noch nicht genug habt, über die Situation der Flüchtenden in Bosnien zu lesen, sei euch hier noch ein Podcast ans Herz gelegt, der unsere Erfahrungen noch ein wenig ergänzt:

https://podcastaddict.com/episode/123404666

Morgen reisen wir ins Wendland zurück. Dies ist jetzt doch unser letzter Blog-Eintrag geworden. Es grüßen euch erfüllt, wütend (Katja), noch sehr dünnhäutig (Katja), tatkräftig (Matthias) und sehr dankbar, dass wir diese Arbeit machen durften

Matthias und Katja

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in 2021 von Katja. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.

Ein Gedanke zu „Abstand und neue Pläne

  1. Liebe Katja, lieber Matthias, ich wünsche Euch ein gutes Ankommen im Wendland und viel Zeit zum Verarbeiten des Erlebten, der Begegnungen, des Widersprüchlichen und Bedrückenden. Danke für Eure Berichte! Falls Ihr irgendwann im Wendland über Eure Reise berichtet, würde ich gerne dazukommen.
    Lieben Gruß
    Heike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.