Das Jüngste ist 3 Monate alt…

Aktuellen Berichten von einheimischen Volunteers zufolge hat sich die Situation in Bosnien massiv verschärft. Der Una-Sana-Canton (der Landesteil zur EU-Außengrenze, Kroatien) sei auf den Kopf gestellt, so die Aussage von Sanela, die mit ihrem kleinen lokalen Rote-Kreuz-Team (siehe auch Blogbeitrag 14.01.2020) Tag und Nacht in Kljuc an der unsichtbaren innerbosnischen Grenze harte, ehrenamtliche Arbeit leistet, um dem Strom der Menschen on the move zu begegnen.

Von Seiten der Regierung werden Maßnahmen erlassen, die es den Geflüchteten nahezu unmöglich machen sollen, die EU-Außengrenze zu erreichen: Die Transporte von Familien oder Minderjährigen innerhalb des Una-Sana-Cantons zu den Camps, die zuvor noch alltägliche Praxis waren sind gänzlich ausgesetzt. Die Camps sind geschlossen, weder rein noch raus können die Menschen. Auch in der Bevölkerung schrecken die Faschist*innen nicht vor handgreiflichem Rassismus zurück: Eingeschlagene Fensterscheiben des zuvor gestoppten Busses, der den Checkpoint am Übergang zum Grenz-Canton passiert; Geflüchtete, die auf der Straße zusammen geschlagen werden; Schüsse in der Luft, die die Menschen on the move abschrecken sollen oder Aufdrucke wie „Ihr seid hier nicht willkommen“, machen dies deutlich.

An der von Sanela und ihrem Team aufgebauten Notstation gegenüberliegend zur Bushaltestelle, an der die Menschen aus dem Bussen gestoßen auf der Straße landen und ihnen die Weiterreise verwehrt wird, ist die Situation unhaltbar. Seit 10 Tagen stecken dort 7 Familien fest, die weder nach Bihac noch nach Sarajevo weiter dürfen. Unter ihnen über 10 Kinder, das Jüngste 3 Monate alt. Die zugespitzte Situation habe eine humanitäre Krise ausgelöst, man kann doch keine Kinder auf der Straße lassen, empört sich Sanela zurecht. Kommen sie doch noch nach Bihac, werden sie direkt von der Polizei empfangen und unmittelbar von der Grenzregion abtransportiert. Doch diesmal nach Otoka, wo sich noch keine humanitären Strukturen aufgebaut haben, wie in Kljuc durch Sanela. Dort ist niemand, der sich der Situation der Geflüchteten annimmt.

Mehr denn je ist ihre Arbeit an der Bushaltestelle an der Cantongrenze gefragt. Allein für die vielen Menschen tagtäglich zu kochen, überfordert das kleine Team zunehmend. Von dem gesammelten Geldspenden Anfang des Jahres, konnten wir Sanela ein Budget zusichern, auf das sie nun zurückgreifen kann und davon Dinge des alltäglichen Bedarfs einkauft (Essen, Brennholz etc.), sowie die Miete der Dixiklos begleicht.

Hier noch zwei Videoclips über das tägliche Engagement Sanelas und ihrem Team in der Grenzregion Bosniens