Grenzenlos – People in Motion e.V.
Push Back Map verbreiten- Selbstermächtigung für Flüchtende stärken

Nach unserem letzten größeren Projekt im Sommer 2021, das uns an die bosnisch-kroatische Grenze führte, wird jetzt ein neues kleinen Team in die nord-bosnische Grenzregion aufbrechen, in der täglich illegale Push-Backs (rechtswidrige Zurückschiebungen oder Deportationen) durch kroatische Sicherheitskräfte nach Bosnien stattfinden.

Schaut euch selber die Website der PushBackMap an. Hier findet ihr eine Karte von berichteten Pushbacks, direkte Berichte über Erlebtes und eine App, die von People on the Move heruntergeladen werden kann, um einen PushBack zu dokumentieren.

Wir freuen uns, wenn ihr diese neue Reise in Gedanken mittragt und wenn ihr mögt, auch finanzielle Verantwortung übernehmt (Spendenhinweise am Ende des Newsletters).

Vielen Dank für eure Unterstützung

Julia, Uschi, Matthias und Katja

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Wir können nicht tatenlos zusehen, wie die EU sich seit geraumer Zeit mehr und mehr gegen Menschen aus anderen Ländern abschottet, ausgenommen gegen die, die wegen ihrer spezifischen Berufskenntnisse angeworben werden. Die "Abschottung" erfolgt auf brutalste Art und Weise, an der polnisch-belarussischen Grenze, an der griechisch-türkischen Grenze, im Mittelmeer, an der bosnisch-kroatischen Grenze und vielerorts mehr. Wir sind uns bewusst, dass unser Beitrag ein kleiner ist, insbesondere angesichts unserer großen Privilegien, und so Vieles auf vielen Ebenen nötig wäre. Aber Nichtstun und Wegschauen ist keine Alternative, und wenn wir uns dabei solidarisch vernetzen und organisieren, können auch größere Veränderungen gemeinsam erreicht werden.

Wir, das sind zum einen Julia, die viele Jahre internationaler Erfahrung im Kontext von Konflikttransformation, solidarischer Menschenrechtsarbeit, Empowerment und Stärkung sozialer Bewegungen mitbringt, und Uschi, die in den vergangenen Jahren nicht nur in der Seenotrettung im Mittelmeer und in der praktischen Unterstützung von Geflüchteten in Deutschland aktiv war, sondern auch im Libanon mit lokalen Aktivist*innen 2020 eine unbürokratische Unterstützungsinitiative für Geflüchtete außerhalb der gängigen Support-Strukturen gestartet und aufgebaut hat.

Wir fahren also Anfang März für zwei Wochen vom Wendland an die bosnisch - kroatische Grenze, und wollen dann einige Zeit dort im Grenzgebiet unterwegs sein, um mittels Flyern und Stickern flüchtende Menschen (People on the Move, PoM) und Hilfsorganisationen über die Möglichkeit der Push-Back-Map (www.pushbackmap.org) zu informieren. Die Push-Back-Map ist eine digitale Plattform, auf der PoM selbst direkt Push-Backs dokumentieren und somit sichtbar machen können. Das Tool ist somit gleichzeitig selbstermächtigend und macht diese illegale und gewalttätige Praxis sichtbar, und kann in Kampagnen zitiert werden, um politischen Druck aufzubauen für ein Ende der Push-Backs und eine andere, eine menschenfreundliche Politik und Strukturen für flüchtende Menschen.

Gleichzeitig wollen wir, wo möglich und gewünscht, auch direkt Berichte aufnehmen über das Geschehen der Push-Backs und ein offenes und respektvolles Ohr anbieten, sowie soweit als möglich unmittelbare Unterstützung leisten, z.B. durch Notfallpakete mit Verbandszeug, Wasser und vitaminreichen und gehaltvollen Snacks, durch die Weitergabe von Babytragen (https://www.facebook.com/babytragenspenden) oder anderem Equipment, und was auch immer zu tun ist.

Außerdem wollen wir Kontakt aufnehmen mit möglichst vielen Organisationen und Initiativen, um die Idee der Push-Back-Map weiterzuverbreiten und die Vernetzung auf- und auszubauen. Im April wollen wir dann gemeinsam im Wendland die Erfahrungen auswerten, v.a. im Hinblick auf weitere Verbreitungsaktivitäten der Push-Back-Map.

Auf unserem Blog https://www.grenzenlos-people-in-motion.eu/category/2022/ werden wir regelmäßig unsere Eindrücke schildern. Vielen Dank an Katja und Matthias, PBM und weitere Unterstützer*innen, für die tatkräftige Unterstützung dieser Reise!

Solidarische Grüße,

Uschi und Julia

PS: Als wir in unserem Freund*innenkreis von unserem Vorhaben erzählten, haben insbesondere Menschen mit eigener Fluchterfahrung direkt gesagt, dass sie mitfahren und mitmachen wollen. Durch die rassistischen Strukturen (u.a. was deren Bleiberechtsstatus und das Profiling der Behörden und Autoritäten angeht) und die Illegalisierung von Support flüchtender Menschen vor Ort, haben wir uns für dieses Mal für eine „hybride Arbeitsform“ entschieden: Vor Ort nutzen wir unseren Status als „ältere weiße Frauen“ subversiv – und bei Bedarf sind unsere migrantischen Freund*innen in Deutschland für Kontakt und Übersetzung telefonisch erreichbar.

Grenzenlos - People in Motion e.V., c/o Katja Tempel, Meußließen 2, 29459 Clenze
www.grenzenlos-people-in-motion.eu
Spendenkonto: Triodos Bank, IBAN DE94 5003 1000 1035 9970 04, BIC: TRODDEF1
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